Pilger

Die meisten Abzeichen sind Pilgerabzeichen. Pilgerreisen waren im Mittelalter die beste Möglichkeit, etwas von der Welt zu sehen. Und schon damals nahm man Souvenirs mit. Als Pilgerreisen nach 1150 sehr beliebt wurden, entstand auch ein Markt für die billige Massenproduktion von Abzeichen. Bis ins 16. Jahrhundert gehörten sie zur Standardausrüstung eines Pilgers. Man erkennt den jeweiligen Pilgerort an der Abbildung auf dem Abzeichen.


Ein Abzeichen ist nicht nur ein schönes Souvenir, sondern hatte auch eine religiöse Funktion. Es sorgt dafür, dass die heiligen Kräfte der Reliquie mit nach Hause genommen werden können. Durch das Aufdrücken des Abzeichens auf den Reliquienschrein übernahm es einen Teil der Kräfte der Reliquie. So nahm man die Kräfte mit oder hängte es als Talisman zu Hause auf. Manchmal wurden Insignien in Fundamente eingemauert, auf einem Feld vergraben, in eine Uhr eingearbeitet oder in Bücher eingenäht. Es gibt sogar medizinische Rezepte, in denen eine Insignie in einer Flüssigkeit eingeweicht werden musste. So konnte ein Kranker, der selbst keine Heilung in einem Heiligtum erbitten konnte, dennoch von dessen Kräften profitieren.

Auf diesem Abzeichen sind die drei Könige zu erkennen. Es handelt sich um ein Pilgerabzeichen aus Köln.

Santiago de Compostella

Der vielleicht beliebteste Wallfahrtsort im mittelalterlichen Europa ist Santiago de Compostella. Von überall auf dem Kontinent führen Wanderwege zu diesem Heiligtum. Hier befindet sich das Grab des Apostels Jakobus des Älteren. Der Legende nach sorgte der heilige Jakobus für die „Reconquista” oder die Vertreibung der Muslime von der Iberischen Halbinsel. Er wurde daher zum Schutzpatron ganz Spaniens. Das Symbol von Santiago de Compostella ist die Jakobsmuschel, benannt nach dem Heiligen. Pilger steckten die Muschel an ihren Hut. Es gibt aber auch Zinn-Blei-Abzeichen in Muschelform.

Neben Abzeichen gibt es auch Ampullen mit dem Motiv der Jakobsmuschel. Das sind kleine, hohle Gegenstände. Wie ein Abzeichen wurden sie an der Kleidung oder an einer Schnur um den Hals getragen. Ampullen sind in der Regel auf zwei Seiten verziert. Am Wallfahrtsort füllte man die Ampulle mit heiligem Öl oder Heilwasser. Manchmal nahm man sogar Erde aus dem Heiligtum mit.

Sint-Eligius von Noyon

Neben Compostella gibt es Hunderte von Pilgerorten, die über ganz Europa verstreut sind. In Noyon beispielsweise wurde der Heilige Eligius verehrt. Unten sehen Sie ein Abzeichen aus diesem Wallfahrtsort. Eligius (auch Elooi genannt) ist ein Heiliger aus dem siebten Jahrhundert. Er war Hufschmied, konnte sich aber zum persönlichen Berater des Fürsten hocharbeiten. Später wurde er Bischof von Noyon und Tournai.


Auf diesem Abzeichen ist viel los. Links steht Eligius als Hufschmied an seinem Amboss. Über dem Amboss schaut ein Engel zu. Rechts wirft ein Krüppel seine Krücken weg, die er nicht mehr braucht. Er wurde dank des Heiligen geheilt. Ganz rechts kommt ein Pferd um die Ecke. Dies ist ein Verweis auf eine beliebte Legende um Eligius. Als er die Hufeisen eines besonders widerspenstigen Pferdes austauschen musste, nahm er dem Pferd das Bein, versah den Huf mit einem neuen Eisen und setzte das Bein wieder an das Pferd. Er ist daher auch der Schutzpatron der Pferde.

Die Massenvorführung in Aachen

Das Abzeichen von Eligius von Noyon ist eines der älteren Abzeichen unserer Sammlung. Es stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das wissen wir aufgrund der Art des Abzeichens: ein vollflächiges Plakettenabzeichen. Erst im 14. Jahrhundert kamen durchbrochene Insignien auf. Dadurch konnten die Insignien viel größer gestaltet werden, ohne dass die Darstellung zu schwer wurde. Die Insignie der Tunika Mariens stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist mit einer Höhe von 12,3 cm die größte Insignie, die jemals in Flandern gefunden wurde.


Die Tunika Marias, das Gewand, das sie trug, als sie Jesus zur Welt brachte, wird zusammen mit dem Lendentuch Christi und dem Enthauptungstuch Johannes des Täufers in Aachen verehrt. Diese Stücke werden im Marienheiligtum aufbewahrt. Auch die Überreste Karls des Großen liegen in der Kathedrale von Aachen. Dies macht sie zu einem wichtigen Wallfahrtsort. Anfangs wurde das Gewand einmal im Jahr herausgeholt, um es den Pilgern zu zeigen. Seit 1349 geschieht dies nur noch alle sieben Jahre. Die Ausstellung wird zu einem Massenereignis, das Zehntausende von Besuchern anzieht.

Es gibt Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Pilger. Sie möchten so nah wie möglich an die Reliquie herankommen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wird mit dem Spiegelabzeichen eine Lösung gefunden. In das Abzeichen wird ein Spiegel eingebaut. In diesem Exemplar war das Spiegelglas in das Rosettenfenster eingearbeitet. Der Spiegel fängt die Reflexion der Reliquie ein und damit auch ihre heilende Wirkung. So konnte man die Kraft der Reliquie mit nach Hause nehmen, ohne dass das Abzeichen physischen Kontakt mit dem Reliquienschrein haben musste.

Im Rampenlicht